Zeit
typischer fall von...

hochbegabung. schwebte mir in den letzten tagen dauernd im kopf herum. wenn ich mir sebastian mal so betrachte, seine beziehung zu seinen eltern, wie er mit ihnen spricht, respektslos, mit arroganz und ironie in der stimme... ich frage mich, ob es bei hochbegabten überdurchschnittlich oft so ist, dass sie eine gestörte beziehung zu ihren eltern haben. der widerwille, sich ihnen zu "unterwerfen" und der drang dazu, wenigstens ihnen die geistige überlegenheit deutlich zu zeigen. hochexplosív. traurig. vielleicht ist es nur zufall, dass es bei mir so ist und bei sebastian. eben nur so eine überlegung. las um dies genauer zu ergründen bei wikipedia den artikel über hochbegabung. erstaunlich, erschreckend, ernüchternd wie gut man ins schema passt. eine seltsame art von selbsterfahrung wenn man sich in solch allgemeinen psychologischen ausführungen total wiederfindet. ein thema, das mich eigentlich sehr oft persönlich beschäftigt. trotzdem spreche ich nie darüber. zweite oder dritte klasse. oder sogar erste? don't know. meine mutter arbeitet beruflich mit kindern, die legasthenie, ads (usw) haben. eine kollegin von ihr mit hochbegabten. daher die frühe erkennung der indizien. ein iq- test. ich weiß es noch genau. ich hatte ziemlich kopfschmerzen an diesem tag, was ich damals extrem oft hatte- ob psychosomatisch oder von meiner milcheiweißallergie herrührend, weiß man nicht genau. eine schulfreundin von mir wurde gleichzeitig auch getestet. das ergebnis. du bist überdurchschnittlich intelligent, hochbegabt. 136. nein, mehr wahrscheinlich. mit kopfweh kann man keine höchstleistungen erzielen. nicht normal? wollte ich wissen. was ist normal? darüber spricht man nicht, sag es keinem. ein iq ist nichts, womit man angibt. schon klar. diskretion. versteht sich. davon hielt die mutter meiner schulfreundin nichts. auch nicht von psychologie, wie es scheint, denn sie hielt ihrer tochter seither immer vor, dass ich ja viel intelligenter als sie sei. nicht so geschickt. und ich? keine klasse übersprungen, wollte ich nicht. wegen meiner freunde. ich weiß es noch genau. habe mir das, was meine mutter mir gesagt hat viel zu sehr zu herzen genommen. habe mich bei meinen grundschulfreunden immer dumm gestellt um bloß nicht durch übermäßige intelligenz aufzufallen. wurde ja so schon aufgezogen, weil ich fast nur einser hatte. tat immer so, als wolle ich das nicht. ziemlich dumm, wenn ich es mir so recht überlege. die freunde, für die ich mich damals dumm gestellt hab, damit sie sich mit ihren dreiern womöglich noch besser vorkamen als ich mir mit einer eins, die sind mir heute verhasst. selbstsüchtig und eingebildet sind sie. und vor allem sind sie es nicht wert, dass ich mich wegen ihnen schlecht fühle, weil ich bessere noten schreibe. mit dieser erkenntnis ging ich in die weiterführende schule. hm. ich hab mich sehr verändert seither. das grundschulmädchen von damals ist wohl heute kaum wieder zu erkennen. es macht sehr unsicher, wenn man anders ist, aber nicht integriert wird, mit seinen Unterschieden nicht angenommen wird, sondern vielmehr so tun muss, als wäre man wie alle anderen. Ich habe nie mit jemandem darüber gesprochen. nie jemandem diese zahl genannt. darüber spricht man nicht. seltsam. da redet man über sex, drugs und blow-jobs, aber nicht über soetwas. man will nicht arrogant wirken. hat ja auch zeitlebens gepredigt bekommen, dass es das letzte ist, was man tun sollte. man möchte ja ein soziales kind, keinen abgehobenen eingebildeten snob. tja. und genau so einer verkündet dann irgendwann in der klasse, dass er ja einen iq von 134 hat. mit stolzgeschwellter brust. ja, er ist intelligent, er schreibt nur einser. klar, sieht man doch sofort, dass der hochbegabt ist. ha. es ist ganz gefährlich, über so etwas nicht zu reden. es ist ungemein belastend, so ein geheimnis. irgendwie, weiß selber nicht, warum. aber es wurde einem die bescheidenheit von kindesbeinen an intravenös eingeflößt. die bescheidenheit, die falsche. es macht wütend, wenn man über soetwas nicht reden kann, weil es immer als tabu galt, man aber dringend darüber sprechen sollte, weil es einfach einen ganz großen teil der persönlichkeit ausmacht und viel zu viele probleme mit sich bringt. weil es belastet. es macht wütend, wenn man sich nach verständnis sehnt, anerkennung, aber nie welche bekommen wird. und die bescheidenheit wird zu einer maske, die schützen soll, und das wahre ich verbirgt. alle welt redet darüber, menschen gründen vereine für hochbegabte mit iq ab 130...und ja, meine mutter hat ja recht, ich will tatsächlich nicht zu diesen selbstverliebten, selbsthuldigenden menschen gehören, die sich auf ihre wappen schreiben "wir sind toller und intelligenter als 98% der weltbevölkerung". ich will nur... ich weiß es gar nicht. es ist nicht leicht, intelligent zu sein. ich wünsche mir oft, ich wäre normal... wäre in der schule nicht schon so unterfordert, dass es zur dauerresignation führt. "Oft sind es aber Menschen, die im normalen Schulsystem methodisch nicht zurecht kommen (Unterforderung, "Ausbremsen" durch Lehrer). Oft gehen sie sogar von der Schule ab, da sie durch die ständigen Wiederholungen noch weiter unterfordert sind. Underachiever wollen oft nur in den sie interessierenden Bereichen Leistung erbringen (Hyperfocus). Gerade von ADS Betroffene werden oft als "faul" angesehen, da sie sehr gute Leistungen erbringen können, wenn sie sich in den Hyperfocus bringen können, ansonsten aber "nicht arbeiten". Es gibt keinen Grund, warum die Charaktereigenschaft Faulheit nicht auch mit intelligenter Hochbegabung einhergehen kann. Da den Hochbegabten Eigenständigkeit und Interesse für tiefergehende Fragen nachgesagt wird, können auch die Wertvorstellungen der Schule nebst Bewertungssystem insgesamt in Frage gestellt werden und dies zu Ablehnung führen." und so findet man sich bei wikipedia wieder. krass. und- ja, genau, ads hab ich ja auch noch. das machts verdammt nochmal nicht einfacher. lese in letzter zeit sehr viel über ads. ich muss mein leben irgendwie in den griff kriegen. ich hasse es, dass ich mit keinem darüber reden kann. aber ich will doch nur... ein bisschen verständnis und... einfach nurmal drüber sprechen. ohne eitel zu wirken. vergiss deinen stolz, dein vakuum. ich muss ins bett. und nichts hat sich verändert. keiner versteht mich- nein, keiner KANN mich verstehen. noch so ein grund, warum nie jemand meiner freunde diese seite lesen soll. good night and good luck.
1.9.06 00:47
 


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